unterwegs erlebt

4. Juli 2015

Deutschland ganz knapp geschlagen…

Filed under: Israel 2015 — heplev @ 23:30
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Samstag – Schabbat in Israel, Wochenende. Meine Gastgeber unternehmen gerne etwas, zumindest wenn Gäste da sind. Gäste müssen beschäftigt werden und etwas erleben können. Aber das machen Gastgeber ja immer so, ich auch.

Vorschlag: Hast du Lust ans Tote Meer zu fahren?

Klar habe ich Lust. Da war ich erst einmal, 2004 – und hatte keine Badehose! Also endlich die Möglichkeit versäumte Erfahrungen nachzuholen.

Wir ziehen also mit Sack und Pack los. Nur ohne die Mädchen – die eine schon wieder außer Haus unterwegs, die andere hat keine Lust, weil man da nicht tauchen kann. Na gut.

Aus den Nachrichten wissen wir – und ich habe mal auf wetter.de nachgesehen, dass es in Deutschland wahneheiß ist. Und hier in Israel? Im Internet hatte jemand einen Vergleich von Städten in Deutschland und Brasilien gepostet. War klar, was dabei rauskam, oder? 7:1 für Deutschland, wie im Halbfinale letztes Jahr.

Im Auto sagt das Thermometer bei der Ankunft am Toten Meer 33 Grad an. Es soll heute wohl noch auf 40 Grad hochgehen. Mal sehen. Wir jedenfalls ziehen uns um und dann geht’s ins Wasser. Zum ersten Mal darf ich erleben, wie man dort oben treibt. Vom reinen Gefühl eigentlich nichts Seltsames, aber wenn der Kopf dir sagt, das geht eigentlich nicht, dann ist es schon komisch. Vor allem, wenn man nicht mehr stehen kann, aber senkrecht im Wasser „steht“.

150704_TotesMeer

Das Wasser ist pippiwarm. Nichts, was ich lange mag. Aber egal, wir sind zum Ausspannen hier und ich gehe mich abduschen, lege mich unter die Sonnensegel und lese. Die anderen zwei bleiben noch, aber dann machen sie es genauso. Die Zeit vergeht, wir knabbern etwas Gemüse und Nüsse und gegen 13 Uhr soll es wieder zurück nach Hause gehen.

Thermometer: 38 Grad. Die 40 werden wir heute nicht mehr erleben. Eine leichte Brise lässt es nichtg so heiß erscheinen.

Zurück in Beer Sheva sagt das Themometer 33 Grad. Die leichte Brise haben wir auch hier noch.

Nach dem späten Mittagessen macht jeder, was er gerne mag – lesen, spielen, Siesta… Kurz nach 4 brechen Beer7 und ich auf, um uns den Tel Sheva anzusehen. Der ist als Nationalpark eingerichtet und wir haben ein Problem. Der Mann am Eingang sagt, dass sie ab 4 Uhr eigentlich niemanden mehr reinlassen, weil um 5 Uhr geschlossen wird. Beer7 verhandelt und wir dürfen doch noch rein, machen quasi einen Blitzrundgang. Vom Aussichtsturm kann man sich einen schönen Überblick verschaffen und das Interessanteste ist ohnehin die unterirdische Wasserversorgung. Dafür muss man einen Helm mitnehmen und aufsetzen. War ganz gut, sonst hätte ich mir ein- oder zweimal de Kopf kräftig angestoßen.

Das war für Beer7 der schnellste Besuch auf dem Tel Sheva. Aber es gibt ja noch eine Stelle, die sie mir unbedingt zeigen möchte. Und im Nachhinein fand ich das interessanter: die Andarta, das Denkmal für die Negev-Brigade, die (bestehend aus Palmach-Kämpfern und Zivilisten) im Unabhängigkeitskrieg die Siedlungen gegen die übermächtigen Araber verteidigte – bei rund 30% eigener Verluste nur an Gefallenen – dafür sorgte, dass Israel weiter bestand.

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Wieder Zuhause, zeigt das Thermometer im Auto 32 Grad.

Später, so gegen 20.15 Uhr laufe ich mal raus und gehe Abendhimmel gucke/fotografieren. Es ist kühl, richtig angenehm kühl. Mehr als 24 Grad kann es nicht sein.

Und hinterher sehe ich mal auf wetter.de nach – mein Wohnort hatte am Tag in der Spitze 36 Grad gehabt. Haarscharf weniger als am Toten Meer. Israel hat also doch gerade eben noch gewonnen. Auch wenn es am Abend gegen 22 Uhr immer noch 30 Grad in der Heimat waren…

1. Juli 2015

Experimente der Fotografie

Filed under: Israel,Israel 2015 — heplev @ 21:56
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Am Morgen früh los – na ja, soo früh nun auch wieder nicht, es hatte gedauert, bis die Dusche frei und alle aufgebrochen waren, die noch irgendwo im Weg standen/saßen/liefen. Gegen 1o vor 9 war ich auf dem Weg zum Marine-Museum. Vor 3 Jahren war ich in knapp einer Stunde hingeschlurft, heute waren es gerade mal knappe 30 Minuten. Und worfür? Um vor geschlossener Tür zu stehen. Die eigentlich zwei Museen für drei Themen (eins für Meeresforschung/Seefahrtsgeschichte sowie das andere für die israelische Marine und die illegale Einwanderung der Mandatszeit) waren wegen Renovierung für den normalen Publikumsverkehr geschlossen; Gruppen können mit Voranmeldung kommen. Mist.

Zum Glück ist ja ganz in der Nähe noch die Eliah-Höhle, einer der heiligsten Orte für gläubige Juden. Zu Fuß keine 10 Minuten. Dieses Jahr war sie wieder auf und es herrschte auch reger Betrieb. Alles junge Frauen, sehr züchtig gekleidet – klar, orthodoxe Jüdinnen (ohne Kopftuch), die da ein und aus gingen, die Gebetsbücher in der Hand. Oder drinnen ihre Gebete verrichteten, auf die verschiedenstens Weisen. Innen habe ich nicht fotografiert. Es gibt eine Wand in der Mitte, links sollte ich nicht hingehen, rechts waren auch Frauen, aber dann kamen noch drei Männer, die auch das Gebet suchten.

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Gebäude der Höhle des Propheten Eliah

Der Raum ware eigentlich völlig unspektakulär, fast schon langeweilig einfach gehalten. Ist wohl Absicht, denn es steht ja nicht das Prunken im Vordergrund, es soll auch nichts vom Gebet ablenken. Also ganz gut so, scheint mir. Trotzdem kein Ort, den man wegen seines Aussehens besuchen wird.

Hinterher wieder runter und an die Seilbahn auf den Karmel. Dabei erst einmal Station am Ufer und ein wenig Mittelmeer fotografiert. Und die kleine Kokak-Kompaktkamera getestet. Sie hat eine Panoramabild-Funktion. Das Ergebnis:

Panorama Mittelmeer

Die Küste von Haifa, am Strand an der Seilbahn – Blickwinkel von ca. 150 Grad (Panorma-Funktion)

Die Seilbahn war noch nicht auf, aber warten mussten wir nicht mehr lange. Ein Großvater mit seinem kleinen Enkel (ca. 5 Jahre) saßen in der zweiten Gondel, in dich auch stieg. Eine nette Auffahrt, aber nicht vergleichbar mit den Seilbahn-Fahrten, die ich aus der Schweiz kenne.

Oben eine hübsche Aussicht. Einige Erklärungen aus einem Lautsprecher, sogar auf Deutsch (konnte man aussuchen). Noch ein paar Bilchen, dann stiefelte ich wieder los, den Karmel entlang Richtung Bahai-Garten. Die Straße führte ständig leicht bergab und näherte sich immer weiter der Allenby-Road an, die ich auf dem Hinweg genommen hatte. Bei der nächsten Gelegenheit hieß es also die weiter nach oben führende Straße zu nehmen. Beim dritten Mal unerließ ich das – im Nachhinein ein Fehler, denn bald sah ich, dass der Bahai-Garten über diese Straße hinweg verlief und der Tempel weiter oben lag. Kurz darauf gab es einen Treppenweg den Berg hoch, sogar mit Hinweisschild – der musste dann wohl genommen werden.

150701_Treppe-Bahai

Das war aber bis zum nächsten Eingang nur die Hälfte des Weges. Es ging eine Straße weiter hinauf. Dort könnte man noch weiter hoch marschieren, aber es gab hier die Möglichkeit oberhalb des Tempels den Garten zu betreten (mit dem üblichen Prozedere: Taschenkontrolle, Metall-Scanner usw.). Die Gartenanlage wurde in einigen Teilen gerade intensiv gepflegt. Näher am Tempelgebäude waren dann noch einmal die Hinweise aufgestellt, die beim Eingang schon mündlich gegeben wurden (Besuch des Gartens von 9 bis 17 Uhr, Tempel selbst von 9 bis 12 Uhr, Betreten des Tempels nur ohne Schuhe, dort nicht fotografieren…).

Das Innere haute mich jetzt auch nicht groß vom Hocker. Der Raum wirkte recht klein für das riesige Gebäude, aber das Zentrum (Grab des Religionsgründers) war von vier solcher Räume umgeben, von denen halt nur einer offen war. Sicher, es sieht alles ganz  hübsch aus, es riecht gut. Aber mehr eigentlich nicht, kaum vergleichbar mit der Intensität, die die Gartenanlagen ausstrahlen. Da war ich dann doch schneller wieder raus, als ich gedacht hatte. Schneller als aus jeder Kirche oder Synagoge, die in ihrem Inneren jeweils deutlich mehr zum Ansehen boten. Dafür kam draußen dann aber der Blick über den Hafen von einer wunderschönen Treppe aus. Der war so gut, dass ich mich erstmal hinsetzte und ihn genoss.

Blick vom Bahai-Tempel über den Hafen von Haifa
Leider waren die Gartenanlagen in vielen Teilen gesperrt, so dass man nicht bis zum Fuß gehen konnte. Ich musste also wieder „raus“ und den nach oben gelaufenen Weg hinunter. Na gut, geht auch. Nach dreieinhalb Stunden war ich wieder in der Unterkunft. Ziemlich geschafft und etwas müde. Also Siesta gemacht. Den Nachmittag hatte ich dann nichts weiter unternommen. Erst abends, als es dunkel war, hatte ich wieder etwas vor. Der Bahai-Garten ist beleuchtet und das wollte ich jetzt endlich mal in einem brauchbaren Bild festhalten.

Kameras geschnappt, das Ministativ eingesteckt und auf den Ben-Gurion-Boulevard gegangen. Die Perspektiven waren zum Teil besch….eiden: Schilder oder Ampeln im Weg, vom Bürgersteig aus war es ohnehin nicht gut zu fotografieren. Aber die Stadtplaner hatten das wohl auch so gesehen und in der Straßenmitte einen kleinen Streifen angelegt bzw. gepflastert, der sich hervorragend dazu eignet von Fotografierenden genutzt zu werden. Dumm nur, dass das Stativ so winzig ist. Das hieß, dass ich mich hier jetzt einfach auf den Bauch legte, um etwas durch die Kamera sehen und sie damit richtig ausrichten zu können. Das brauchte allerdings mächtig Geduld, denn der Autoverkehr war auch noch ein Hindernis. Jedes von „oben“ kommende Fahrzeug blendete wie wild. Jedes von unten an mir vorbeifahrende konnte ebenfalls das Bild versauen. Insgesamt lag ich an dieser Stelle wohl gute 20 Minuten, bis mir ein Bild gelang, mit dem ich halbwegs zufrieden war.

Das Dumme: Den oberen Teil des Gartens bzw. seiner Beleuchtung konnte man auf diesen Bildern nicht erkennen. Also ging ich die Straße wieder ein ganzes Stück hinab. An einer Kreuzung mit Fußgänger-Querungshilfe dann das ganze Spiel von vorne. Gut, hier lag ich wenigstens nicht direkt zwischen dem Verkehr. Die geforderte Geduld war die gleiche. Dafür war das Ergebnis dann besser.

Bahai-Gärten bei Nacht

Bahai-Gärten bei Nacht

Damit war der Tag aber dann fast zu Ende. Im Zimmer noch die Fotos auf den Laptop geladen und begutachtet, noch was geschrieben und dann hieß es schlafen gehen…

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