unterwegs erlebt

22. März 2008

Was willst du in Beer Sheva?

Filed under: Fliegen,Israel 2007 — heplev @ 13:31
Tags: , , ,

In einem Einkaufszentrum in der Nähe des Bahnhofs fand ich einen Stand, an dem ich eine SIM-Karte kaufen konnte. Die junge Frau war äußerst nett (und offenbar auch froh, endlich einen Kunden zu haben). Sie erledigte die Installation der SIM-Karte und fragte mich dabei aus: Woher kommst du? – Aus Deutschland. – Was machst du in Israel. – Ein bisschen Urlaub. – Und dann bist du hier in Beer Sheva? Was machst du in Beer Sheva? Hier ist doch alles nur … braun!

BegrüßungsfliegerEs ist immer wieder erstaunlich, wie die Leute dann reagieren, wenn ich ihnen sage, dass ich ins Flugzeugmuseum in Hatzerim will. Die Luftwaffenbasis dort, die kennen sie alle. Einige haben da auch ihren Militärdienst geleistet. Aber dass es dort Israels Luftwaffenmuseum gibt, weiß kaum einer; selbst mancher Taxifahrer sieht einen verwundert an – die haben die Gloster Meteor einfach für ein Teil des Zugangs zum Fliegerhorst gehalten.

2004 sah es am Museum noch so aus, als wäre das nur irgendein verlottertes Teil – das Kassenhäuschen eine Bruchbude, der Kiosk winzig und unansehnlich. Das hat sich geändert. Der Eingang sieht jetzt richtig schmuck aus:

Kassenhäuschen

Weiter drinnen hat sich nur wenig verändert. Als erstes trifft man erfreulicherweise immer noch auf die IAI Kfir-C samt möglicher Munitionierung.

Begrüßungsflieger

Auch die Aufstellung der ausgestellten Flugzeuge ist weitgehend die gleiche geblieben. In den offenen Hangars wird allerdings an weiteren Maschinen gearbeitet. „Um die Ecke“ – in einem etwas abseits gelegenen Bereich – wurde ich beim meinem ersten Besuch von einer Maschine überrascht, die ich hier nie erwartet hätte:

Torpedobomber als Agrarflugzeug!

Eine Grumman Avenger – amerikanischer Torpedobomber aus dem Zweiten Weltkrieg. Die Erklärung steht inzwischen auch daneben: Drei Maschinen wurden als Sprühflugzeuge in der Landwirtschaft eingesetzt, nicht von der Luftwaffe. Die letzte steht jetzt hier.

Zu den großen (was das Ausmaß der Maschine angeht) historischen Flugzeugen gehört diese Boeing Stratocruiser. Sie zeigt eigentlich, wie blödsinnig falsch die arabischen Behauptungen sind, die Amerikaner hätten Israel von Anfang an unterstützt, finanziert und so weiter. Nix da. Als die Israelis Ende der 1950-er Jahre in den USA anfragten, ob sie Hercules-Transporter kaufen könnten, wurde ihnen das verwehrt. Sie konnten Stratocruiser haben – veraltete zivile Transportflugzeuge mit unzuverlässigen Sternmotoren, die sie dann nahmen und erst einmal aufwändig umbauen mussten, um sie als Militärtransporter benutzen zu können.

Boeing Stratocruiser

Dieses Exemplar beherbergt heut eine winzige Ausstellung über die Anfänge der Luftfahrt im heutigen Israel (noch in der Mandatszeit): Fotos der ersten Privatflieger mit ihren kleinen Maschinchen, Teile ihrer Ausrüstung, Kleidung, Papiere usw.

Neben Beuteflugzeugen aus Ägypten, Jordanien und Syrien steht dieser Prototyp: IAI Lavi:

IAI Lavi-Prototyp

Das wäre eine echte Konkurrenz für die Amerikaner gewesen. Die Hinweistafel dazu besagt, das Projekt wäre aus Kostengründen eingestellt worden. Wer’s glaubt… (Die amerikanische F-16 wäre dieser Maschine so was von unterlegen gewesen – aber auch die Lavi hätte ein paar wichtige Teile amerikanischer Technologie gebraucht und Konkurrenz ist nicht immer erwünscht.)

Es gibt noch haufenweise interessante Ausstellungsstücke, die die gesamte Geschichte der israelischen Luftwaffe von 1948 bis heute abdecken. Sogar eine (frühe) F-15 ist ausgestellt. Es fehlen eigentlich nur die aktuell im Einsatz befindlichen Muster. Für Flugzeug-Fans ist das Museum eine unglaubliche Fundgrube. Und einige Flieger kann man nur hier sehen – weil es sie nirgendwo sonst gibt.

Der Weg von Beer Sheva ist nicht weit. Wenn man zurück auf der Straße ist (und auf den Bus wartet), sieht man die Stadt schon – gut, die Außenbezirke, aber immerhin. (Und der Bus ist deutlich billiger als ein Taxi.)
Wüstenstadt-Blick

Advertisements

20. März 2008

Israel 2007 – Lesen muss man erstmal können!

Filed under: Israel 2007 — heplev @ 17:29
Tags: ,

Schwimmbad-NutzungszeitenBeim Herumstromern auf dem Hotelgelände begegnete ich dem Eingang zum Schwimmbecken. Daneben war ein Schild mit den Öffnungszeiten angebracht.

Jetzt weiß jeder, dass Hebräisch von rechts nach links geschrieben wird. Zahlen allerdings schreiben sie von links nach rechts. Was heißt das nun für die Schwimmzeiten?

Mit etwas von der Sonne vermatschtem Gehirn (immerhin hatten wir die bis dahin heißeste Woche des Jahres mit Temperaturen kurz unter 40°C) wird das schwierig. Da muss man dann erstmal drauf kommen, dass zwar hier zwar die jeweilige Uhrzeit von links nach rechts geschrieben wird, die Reihenfolge, wie man sie liest, aber dann doch wieder von rechts nach links geht. Für einen einfachen europäischen Durchschnittsbürger ist da ganz schön viel Denken um die Ecke gefragt. Aber warum soll man es den Touris leicht machen? Die sind hier schließlich in der Minderheit und die Einheimischen sind so dran gewöhnt, dass es ihnen keine Probleme bereitet.

Israel 2007 – Herbe Herzlichkeit

Filed under: Israel 2007 — heplev @ 16:19
Tags: ,

Die herbe israelische „Herzlichkeit“ dieser Kibbutzniks hatte ich schon am Telefon erlebt: Alle meine Fragen zu Reservierung und freien Zimmert etc. waren äußerst knapp beantwortet worden. Das setzte sich bei meiner Ankunft an der Rezeption fort, wo Einchecken und Information über Essenszeiten mit geringstmöglichem Aufwand vermittelt wurden.

So richtig deutlich erlebte ich das dann aber auch am Abend. Wegen eines Stromausfalls lag der Speisesaal im Halbdunkel. Das war für die Orientierung natürlich nicht so furchtbar toll und ich stand ein wenig dumm herum. Eine junge Frau von der Bedienung kam auf mich zu und fragte mich, ob ich dort essen wolle, was ich bejahte. Die ganze Art und der Ton wirkte wie: „Wieso willst du hier essen, das macht uns doch Arbeit?“ Allerdings folgte diesem herben Ton die Führung an einen Tisch, der sofort mit einem Haufen Essen gefüllt wurde, den ich gar nicht alleine hätte verdrücken können!

Lecker Cola!Das Abendessen bot mir persönlich dann noch eine Überraschung. Die Getränke standen schon auf dem Tisch, in meinem Fall eine Flasche Orangenlimonade und eine Flasche Cola. Keine Coca-Cola, wie ich Snob sie sonst ausschließlich trinke. Allerdings hatte ich am Vormittag schon eine Dose Coke getrunken und festgestellt, dass sie nicht so schmeckte wie in Deutschland. Gut, hier jetzt diese probiert – und durfte schmecken, was ich Zuhause immer im Glas hatte. Lustig! Eine Billig-Cola in Israel, die so schmeckte wie „meine“ normale Coke. Die Marke musste ich mir merken und hin und wieder selbst kaufen.

Israel 2007 – Einzug im Kibbutz-Hotel

Filed under: Israel 2007 — heplev @ 15:52
Tags: , ,

Be’er Sheva liegt mitten in der Wüste. Wer will da schon hin? Aber die Stadt wächst offenbar, wie man an diesen Neubauten sehen kann.

 Neubauten

Direkt gegenüber den Neubauten liegt Beit Yatziv, ein Kibbutz mit einem Hotel-/Jugendherbergsbetrieb. Als der Taxifahrer mich dort absetzte, hätte ich nicht gedacht, dass das der Eingang war.

 Eingang von außen

Von innen sieht’s dann schon wieder einladend aus:

 Eingang innen

Wie schon geschrieben, war ich (viel) zu früh. An der Rezeption wurde ich mit israelisch-grober Herzlichkeit empfangen. Die Formalien schnell erledigt und dann legte ich mich draußen auf eine Bank. Ab 12 Uhr sollte das Zimmer fertig sein. Es lag im „Turm“ links, erste Etage. Um 12 Uhr war noch nichts mit fertig – alles sah so aus, wie die Vorgänger es verlassen hatten. Na ja, zwischen Treppenhaus und Etagenflur gab es Sitzgelegenheiten. Niederlassen, Füße hoch legen und lesen, was anderes geht nicht.

Nach einer Weile schlurfte eine afrikanische Frau in Arbeitskittel aus dem Aufzug, schaute in den Putzwagen an der Treppe und wischte die Fliesen vor dem Aufzug. Dann verschwand sie wieder. Etwa eine Viertelstunde später kam sie mit zwei weiteren wieder heraus. Diesmal ließen sie sich gemeinsam an der Sitzgruppe nieder, grüßten, stellten ihre Getränkeflaschen hin und schwatzten angeregt miteinander. Dann verschwand eine noch einmal und kam mit einem Tütchen Obst wieder. Sie stellten sie auf den Tisch und bedeuteten mir, ich solle mich auch bedienen, während sie wieder verschwanden. Fünf Minuten später waren sie mit Plastikbechern wieder da und versuchten sich mit mir verständlich zu machen. Sie sprachen kein Englisch, ich kein Hebräisch – aber im Lauf der nächsten 10 Minuten machten wir uns gegenseitig klar, dass ich darauf wartete, dass mein Zimmer gerichtet würde. Auf einmal waren sie wieselflink unterwegs. Eine bedeutete mir noch, ich solle mich nur ja am Obst bedienen – und keine zehn Minuten später konnte ich mein Zimmer beziehen!

16. Dezember 2007

Israel 2007 – Zugfahrt am Sonntagmorgen

Filed under: Israel 2007 — heplev @ 23:06
Tags: ,

Das ist definitiv keine gute Zeit den Zug zu nehmen, wenn man in den Negev will. Sonntag ist in Israel der erste Arbeitstag der Woche. Da fahren sämtliche Wehrpflichtige zurück in ihre Stützpunkte. Und eine ganze Reihe davon liegen im Negev. Seit Haifa hatte der Zug Soldaten „aufgesammelt“. Alle Sitzplätze waren belegt, der Boden der Waggons auch weit gehend. Was blieb mir übrig? Es so zu machen wie einige der Soldaten auch. Und da ich eine recht kurze Nacht hinter mir hatte, war es kein Problem sich auf dem Boden auszustrecken (so weit das möglich war) und eine Runde zu schlafen.

Bahnhof Be'er ShevaIn Be’er Sheva stellte ich erst einmal meine Tasche auf dem Bahnsteig ab und ließ die ganzen Uniformen vorbei. Das dauerte!

Draußen ging das Theater dann weiter – und das kann man nicht fotografieren, das müsste man filmen! Die Taxi- und Sherut-Fahrer drängelten sich, die Soldaten fahren zu können. Das Gehupe und Geschrei war schlicht unglaublich. Und dass es keinen Unfall gab, eigentlich genauso. Irgendwann, so nach ungefähr einer Dreiviertelstunde, schaffte ich es selbst ein Taxi zu ergattern. Der ältere Herr stammte ursprünglich aus dem Irak. Er regte sich etwas über die Kollegen auf, die nicht gerade rücksichtsvoll unterwegs waren. Dafür gelangte ich sehr sicher ans Ziel – und war immer noch viel zu früh.

Im Rückblick darauf meinte ich später in Jerusalem einem Freund gegenüber: „Setz‘ einen Israeli hinter ein Steuer und du hast einen Anarchisten.“ Worauf er trocken antwortete: „Da tust du den Anarchisten aber Unrecht!“

Israel 2007 – Warten auf die Weiterreise

Filed under: Israel 2007 — heplev @ 23:05
Tags: ,

Vom Flughafen gehen Züge direkt in den Negev, nach Be’er Sheva. Dorthin wollte ich. Also erst einmal die Fahrkarte besorgen. Am Fahrkarten-Automaten suchte ich noch nach der Taste für die Umstellung auf die englische Sprache, da wurde ich schon von einem Teenager-Mädchen angesprochen, die mir helfen wollte und dann zack, zack, zack die richtigen Einstellungen für mich vornahm. Das war natürlich schonmal die erste positive Begegnung.

Auf den Bahnsteig kommt man nur mit Hilfe des Tickets. Es muss in die Durchgangssperre eingesteckt werden, dann kann man sich durchdrücken – wenn man’s richtig rum macht. Ich schaffte es nicht – die Sperre ließ sich nicht bewegen, obwohl sie das Ticket angenommen und auch wieder ausgespuckt hatte! Mehrfach Dann die „geniale“ Idee: War ich vielleicht auf der falschen Seite? Nochmal das Ticket reingeschoben, diesmal die Sperre links neben der Maschine versucht – und durch!

Bahnhof des Ben-Gurion-Flughafen

Unten auf dem Bahnsteig war es kühl. Erstaunlich kühl. Deutlich kühler, als oben am Eingang. Verwunderlich. Nach einer Weile fand ich den Grund heraus. Hier gab es entlang der Mauer auf der anderen Seite der Gleise große Luftschächte, aus denen gekühlte Luft geblasen wurde! Schön. Aber auch nicht ohne Risiko – da konnte man sich schnell eine Erkältung holen. Allerdings war das Warten auf den Zug so etwas erträglicher – denn auch hier haben Züge gerne Verspätung…

3. Dezember 2007

Israel 2007 – Einreise

Filed under: Israel 2007 — heplev @ 19:47

Vor den Einreiseschaltern lange Schlangen – das kannte man von früher. Jetzt sind es mehr Schalter, die Schlangen sind kürzer, vor allem um diese Zeit (6.30 Uhr morgens), aber auch nur 5 Schalter „in Betrieb“. Und es ist wie beim Einkaufen im Supermarkt: Versuche, sich geschickt anzustellen, enden damit, dass man länger unterwegs ist als die Mitreisenden in den Schlangen daneben. Hier hatte das einen Grund: Die Dame hinter der Scheibe war sehr unbeholfen. Sie musste ständig um Rat fragen, holte sich Kollegen/innen in ihre Bude und hantierte mit den Papieren der Einreisenden mehr als jede der anderen. Bis ich das merkte, war es natürlich Wahnsinn sich irgendwo anders anzustellen…

Dann war es endlich so weit: Reisepass und ausgefülltes Immigration-Formular vorgelegt, die üblichen Fragen beantwortet, selbst die vermeintlich sinnlosen: Das wie vielte Mal kommen Sie nach Israel? – Das zweite Mal. – Mit diesem Pass? – Ja. (Mit welchem sonst, da ist doch der Stempel von 2004 noch drin, den hatte sie gerade gesehen…)

Jetzt noch eine Hürde: das Gepäck. Aber da war nichts weiter: vom Band genommen, durch die nächste Tür und schon war ich „draußen“ – aus dem Kontrollbereich, nicht dem Flughafen, aber das war dann doch schneller als erwartet. Großzügige Halle, ein paar kleine Läden und – ganz wichtig – Toiletten! Noch eine Tür und ich bin wirklich angekommen! Halt, der Geldautomat war noch wichtig, schließlich hatte ich keine Schekel mehr. Also die Karte gezückt, abgehoben und noch zwei Flaschen Wasser gekauft. Jetzt stand den Abenteuern im Land selbst nichts mehr im Weg!

1. Dezember 2007

Israel 2007 – The First Israeli and the dumbest tourist in town

Filed under: Israel 2007 — heplev @ 23:52

Der erste Israeli - in einer Fluggastbrücke am Flughafen Ben GurionFluggastbrücken sind in der Regel recht uninteressante und wenig ansprechende Gänge vom Flugzeug ins Terminalgebäude. Nicht so am Ben Gurion: Hier hingen Poster (Werbung der Bank Hapoalim) mit der ersten Italienerin (Mona Lisa), dem ersten dies, dem ersten das – alles Personen. Als letztes kommt der erste Israeli – ein Sabre-Kaktus!

Davon bin ich so begeistert, dass ich nicht merke, dass ich mein Portemonnaie verloren habe. Das fällt mir erst nach Verlassen der Brücke auf. Also zurück zum Flieger – die Türen sind noch nicht abgeschlossen. Der Kapitän schickt mich zurück zu meinem Sitzplatz, ganz hinten im Flugzeug. Die Flugbegleiter suchen mit – nichts zu finden. Also wieder raus – die Tür zum Terminal ist zu! Wieder zurück zum Flugzeug. Der Kapitän ruft einen Flughafen-Mitarbeiter. Der schaut mich etwas pikiert an: Wie ich denn hier in die geschlossene Fluggastbrücke betreten konnte? Ich schildere meine Lage, er öffnet die Tür und ich bin schnell wieder mit den anderen Passagieren zusammen unterwegs zur Einreise-Kontrolle.

Glück im Unglück: Im Geldbeutel waren nur 12 Euro und ein paar Schekel…

Israel 2007 – Flughafen Köln

Filed under: Israel 2007 — heplev @ 21:29

am AbflugschalterMehr als drei Stunden vor dem geplanten Abflug: Drei lange Schlangen vor den Schaltern in der Abflughalle. Erste Überraschung: Der Flug geht eine Stunde später als angegeben. Dann stellt sich heraus: Es sind nur zwei der drei Schalter besetzt – und an einem funktioniert offensichtlich der Computer nicht. Die drei Schlangen werden einen Schalter verschoben und zwei der Schlangen (in einer stehe natürlich ich) werden zu einer zusammengeführt. Das geschieht nur mit viel Gedränge, teilweise Geschubse und einige neu ankommenden Leute gehen an allen anderen vorbei ganz nach vorne. Hinter mir meint einer zu seinem Begleiter: „Ich fühle mich schon wieder ganz wie Zuhause in Israel!“

Bloggen auf WordPress.com.