unterwegs erlebt

30. Juni 2015

Israel 2015 – Hinflug

Filed under: Israel — heplev @ 5:16
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Nach drei Jahren nicht ganz freiwilliger Abstinenz habe im Januar ich wieder einen Flug gebucht. Ende Juni ging es los. Und die elektronischen Möglickeiten sollten auch möglichst voll genutzt werden – sprich: elektronisches Einchecken usw. Handy-Funktionen lasse ich lieber sein, aber die Bording Card wurde Zuhause schon ausgedruckt. Am Flughafen angekommen war’s dann total easy: Einfach an einen Schalter, Ausdruck vorlegen, den Koffer abgeben und fertig – 3 Stunden vor Abflug nichts mehr zu tun. Langeweile? Pustekucken, Düsseldorf hat ja im Gegensaz zu anderen Flughäfen noch eine brauchbare Aussichtsplattform!

Beim Weg wieder runter in den Abflugbereich fiel mir dann noch etwas auf, das sich in einer Ecke fast versteckt:

Gedenkecke für die Opfer des Selbstmord-Piloten der Germanwings in den Pyrenäen.

Gedenkecke für die Opfer des Selbstmord-Piloten der Germanwings in den Pyrenäen.

Das wirkte etwas abseits, aber würdevoll. Klein und passend und berührend. Besser als großer Rummel und demonstratives Trauern. Hat mich ein paar Schlucke gekostet, dann holte ich die Kamera raus und drückte eine Träne weg sowie auf den Auslöser. Schließlich ging es weiter, um rechtzeitig zum Flieger zu kommen.

So knapp wie diesmal war ich noch nie am Gate. Kapp eine Stunde vor Abflug eingereiht. Die Sicherheitsschleuse piepte – da fiel mir ein, dass ich den USB-Stick nicht auf’s Band gelegt hatte. In Israel hätten sie mich jetzt einfach nochmal durchgeschickt. Hier hieß es dann Abtasten, Schuhe ausziehen, das komplette Programm…

Den Fehler habe ich beim zweiten Check nicht mehr gemacht. Die waren alerdings dann insgesamt trotzdem etwas gründlicher, aber nach meinem Empfinden dabei kompetenter. Wunderte mich allerdings nicht, waren ja Israelis dabei… (Ba, jetzt bin ich aber böse!)

So war ich also keine 10 Minuten vor dem Beginn des Boardings am Gate. Weil ich einen Plaz weit hinten gebucht hatte, gehörte ich zur ersten Gruppe, die einstieg. Vor mir standen noch ein Mann und ganz vorne eine Frau mit 4 Kindern. Die bewegten sich aber nicht, sondern palaverten. Bis der Mann einfach dran vorbei ging, seine (selbst ausgedruckte) Bordkarte vorzeigte und losmarschierte. Das machte ich dann auch. Sitz gefunden, Rucksack verstaut hingesetzt, fertig. Weitere Passagiere kamen, dann auch die Familie, die vorhin blockiert hatte – und die suchten ihre Sitze. Konnten die Bordkarte nicht lesen oder die Sitzplatznummern. Denen war schnell zu helfen – ein Blick und ein Fingrzeig, dann waren sie da, wo sie hin mussten.

Als nächstes kamen zwei Frauen mit Kindern. Die hatten ihre Sitze vorher nicht reserviert und waren jetzt ziemlich verstreut plaziert worden, die Kinder ca. 4 bis 5 Jahre alt – das war schlecht. Sie fragten natürlich, ob jemand mit ihnen tauscht. Alle waren sehr nett und stimmten zu, ich auch. Was waren die zwei dankbar! Schon fast übertrieben, aber die Erleichterung stand ihnen auch ins Gesicht geschrieben.

So landete ich also in der leten Reihe, neben einer Frau mit Teenie-Tochter. Später im Flug kamen wir ins Gespräch. Sie wohnt nicht weit weg von mir und ist auch Lehrerin. Aber vor allem hat sie einen Namen, bei dem sie davon ausgeht, dass sie bei der Einreise Probleme bekommt. Ihr Vater ist christlicher Palästinenser und die Familie ziemlich bekannt. Ihr ist ganz schön übel, vor fast 30 Jahren war sie schonmal über Israel in die Westbank gereist und hatte schlechte Erfahrungen gemacht. Das prägt sie bis heute.

Wir unterhalten uns über die Lage, Geschichte usw. Sie hatte gesehen, dass ich ein Buch lese (auf dem Tablet), das mit Israel zu tun hat. Es ist Esther Schapiras „Israel ist an alem Schuld“, den Titel konnte sie allerdings nicht sehen. Was sie sah und was ich so erzählte nahm sie allerdings zum Anlass mir den Rat zu geben mich nicht so einseitig zu informieren und die Westbank zu besuchen. Die Palästinenser sind sehr gastfreundlich. Sie kann mir auch Kontakt zu einer Verwandten vermitteln, die an der Universität von Bir Zeit lehrt und ein gutes Buch geschrieben hat.

Ich habe ihr nicht gesagt, was ich alles lese. Es ist immer wieder interessant, wie Leute davon ausgehen wie einseitig ich mich informiere, ohne zu wissen, wie ich mich informiere; sie ging nicht davon aus, dass sie voll oder objektiv informiert ist, traute mir aber offenbar nicht zu, dass ich aus nicht nur einseitiger Information heraus meine Haltung in diesem Konflikt einnehme.

Trotzdem war das Gespräch interessant und angenehm. Ich konte ihr Tipps geben, was man sich gut ansehen kann/sollte, sie zeigte mir einiges in ihrem Reisefüher, was ich mal machen kann. Wir quatschten über Schule. Und immer wieder ging es darum, was die Israelis nach der Landung mit ihr anstellen würden. Davor hatte sie den totalen Horror. Das wurde mit jedem Schritt schlimmer, den wir vor der Passkontrolle weiter nach vorne gingen. Und dann waren sie an der Reihe. Der Mann am Schalter hatte viele Fragen, sie reagierte nervös. Ich konnte zum Nebenschalter gehen, dort war inzwischen frei.

Und da machte ich es wie beim letzten Mal: Pass hingelegt, „Schalom“ gesagt. Und die Reaktion war auch wieder die gleiche: einerstaumtes „You speak Hebrew?“ Und diesmal konnte ich mir die Antwort micht verkneifen: „Lo“, aber sofort auf Englisch ergänzt, dass es nur ein paar Worte sind. Ja, aber wenn ich doch mit Schalom komme…

Noch die Frage weshalb ich komme, wo die Freunde wohnen, die ich besuche, dann war ich fertig. „Meine“ zwei Nachbarinnen noch nicht. Wir winkten uns zu und ich ging durch zum Gepäckband, auf dem noch ein paar einzelen Koffer kreisten. Meinen hatte ich rasch gefunden. Und da kamen die beiden auch endlich. Erleichterung ausstrahlend. Wir umarmten uns noch, dann machte ich mich auf den Weg Nissan zu verblüffen, der kannte mich ja nur 30 kg schwerer…

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