unterwegs erlebt

15. Juli 2008

Raus hier! Aber gaaanz langsam!

Filed under: Israel 2008 — heplev @ 10:01
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Das Wochenende ist vorbei! Nicht nur wegen der Bruchbude, bin ich froh. Tel Aviv muss nicht wirklich sein, habe ich festgestellt. Also relativ früh aufgestanden, so zwischen 7 und halb 8, geduscht und an die Bar zum Frühstück. Diesmal war der Besitzer höchstpersönlich hinter’m Tresen: Momo, unrasiert, die Haare hinten oben zu einer Art Mini-”Dutt” festgemacht und einen Zigarettenhalter im Mund. So unlustig wie der kann wohl keiner heißes Wasser, einen Teebeutel und zwei Löffel Zucker in einen Tasse kippen!

Neben mir saß die völlig verpennte Angestellte, die mir über’s Wochenende mit ihrer offenen Art und den Tag etwas netter gemacht hatte. Aua, der ging’s nicht wirklich gut; sie hatte wohl zu lange an der Bar die Gäste versorgt, um jetzt schon wieder fit zu sein. Immerhin konnte sie mir sagen, dass und wo in der Nähe ein Schreibwarenladen war. Damit war der Morgen gerettetn, nachdem die letzten Tage ständig der Laptop aufgegeben hatte, wenn ich etwas schreiben wollte. (In Jerusalem sollte er dann wieder völlig unbeanstandet funktionieren…)

Beim Raustreten auf die Straße fiel mir gegenüber ein Haufen Afrikaner auf, die direkt neben der Bank und dem Geldautomaten standen und saßen. Neugier – aha, da war noch eine Tür und die warteten alle, dass da aufgemacht wird – Tagelöhner auf der Suche nach einer Verdienstmöglichkeit. Und ich stellte fest, dass ich zwar das Portemonnaie, aber nicht die Kreditkarte mit hatte. Gut, also musste ich auf dem Rückweg wieder rein und dann nochmal los. Mit einem Schreibblock und einem neuen T-Shirt “beladen” ging’s wieder in Momo’s rein, mit drei leeren Wasserflaschen und der Kreditkarte nochmal raus.

Auf dem Weg zum Flaschencontainer lag ein winziger Laden, der Judaika und Jerusalem-Angebote hatte. Ich blieb kurz stehen, um mir die Auslagen anzusehen und musste grinsen: Unter den ganzen “normalen” Mezuzen gab es auch zwei, die als “car mezuza” angepriesen wurden. Niedlich! Der Besitzer wienerte gerade eine Scheibe der Auslage, kam ganz heraus geschlurft (ein alter Herr, immerhin) und machte mich darauf aufmerksam, dass alles mit Rabatt verkauft wurde, 50% (im Fenster hing ein Aufkleber “30% discount”). Da musste ich mir die Auto-Dinger mal genauer ansehen. Er holte noch zwei weitere Modelle aus seinem Tresen und meinte, alle vier zusammen könnte ich für 60 Schekel haben (Preis normal: 32 Schekel das Stück). Gut, vier wäre dann nun doch etwas übertrieben, aber zwei für 32 Schekel habe ich mitgenommen.

Frisch mit allem ausgestattet, was ich so brauchte oder auch nicht, musste ich wieder im Momo’s zurück sprachlich aushelfen. Da war ein junger Typ aus Dortmund, der so “richtig gut” drauf war. Er konnte wenig Englisch, versuchte aber trotzdem damit die Mädels anzumachen. Bei einer Amerikanerin kam er nicht weit. Die verzweifelte so langsam daran, dass er nicht begriff, dass dies für sie der letzte Tag in Israel dran war. Nach ein paar Sätzen kehrte “Ruhe” ein. Ich konnte meine Sachen fertig packen und das Zimmer abschließen.

Auf dem Weg nach draußen gab ich dem Dortmunder noch meine überzählige Wasserflasche – damit er mal was anderes trinkt (er hatte einen Rest Cola und eine Flasche Bier). Hoffentlich hat er den Rat beherzigt. Andernfalls wäre halt eine weitere Alkoholleiche irgendwo herumgelegen.

Die Verabschiedung vom Personal war dann noch ganz nett. Die eine fragte mich noch wohin es jetzt ginge und ob ich wisse, wohin ich muss. Klar, Bus Nr. 10, hier rechts an der Haltestelle. Ach, du fährst zum Bahnhof! Der Bus fährt aber schneller nach Jerusalem. – Ist egal, ich mag die Züge. – Ach so, dann gute Reise – und ich bin draußen und stehe an der Haltestelle, über einen halbe Stunde, obwohl die Busse alle 20 Minunten vorbeikommen sollen. So ist das Leben.

Am Bahnhof weiteres Warten. Die Züge nach Jerusalem fahren alle zwei Stunden, der nächste um 10.54 Uhr. Jetzt war es gerade mal 5 nach 10. Das ist eine angenehmen Wartezeit, zumal man auf’m ‘Bahnhof ja auch sitzen kann. Wenn man denn weiß, wo man hin muss. Ich hatte mich darauf verlassen, dass die Anzeigen mir sagen würden, auf welchem der 6 Bahnsteige denn meine Wenigkeit einsteigen müsste. Dummerweise waren die Anzeigen alle auf dem Stand von 9 Uhr. Jetzt, nach dem Passieren der Kontrollen, im Bereich der Bahnsteige jemanden zu finden, der einem verlässliche Informationen geben kann, war ein Glücksspiel. Die Reisenden wussten nichts außer ihrem eigenen Kram; Leute, die wie Berufskleidung Bahnhof wirkten, waren aber nicht von hier, sondern nur Schaffner, die nichts wussten. Schließlich erwischte ich einen, der kaum Englisch konnte und erst einmal begreifen musste, dass ich nicht raus und mit dem Bus, sondern mit dem Zug fahren wollte. Der gestikulierte dann “Platform 4″. Das war dann doch schonmal ein Anhaltspunkt. Aber drauf verlassen mochte ich mich denn doch nicht.

Auf Bahnsteig 4 stand ein Zug, aber für den nach Jerusalem war’s noch viel zu früh. Direkt nebenan, auf Gleis 3, wurden die Züge zum Flughafen angekündigt – auch auf Englisch. Hey, das gab Hoffnung. Die starb aber bald, weil das die einzigen waren, zu denen es englische Ansagen gab. Zum Glück ist das Eisenbahnnetz Israels nicht so groß und man kann dann die Zielorte raushören. So wusste ich zumindest, welche nicht für mich geeignet waren. Dann fuhr einer auf Gleis 4 ein, zu dem es keine verständliche Ansage gab. Also die Leute angehauen: Ist das der Zug nach Jerusalem? Kann schon sein, weiß ich aber nicht. Ein junger Mann kann genug Englisch, um mir zu helfen. Er fragt Leute, die auf die Türen zugehen. Ja, das ist er. Ich sah beim Einsteigen noch einen Schaffner. “Yeruschalayim?” Er nickte.

Der Zug von Be’er Sheva war ja trotz des “Express”-Titels für unsere Verhältnisse langsam. Aber dieser machte jetzt gerade mal so 40 km/h, wenn’s hoch kam. Dafür konnte man sich die Landschaft so richtig gut ansehen. Das wurde vor allem nach Bet Shemesh interessant, als es durch enge Tallandschaften und zeitweise einen Fluss entlang ging. Es war aber auch zum Ärgern, weil die Scheiben derart verdreckt waren, dass man zwar noch durchsehen konnte, aber fotografieren unmöglich war – die Kamera fokussierte immer wieder auf den Dreck an den Scheiben und auch gelungenere Bilder haben die fiesen Streifen derart drauf, dass es zum Heulen ist.

Auf jeden Fall kam der Zug gegen 12.45 Uhr an der Endstation an; die Fahrt war eigentlich sehr angenehm und das Aussteigen fiel schon etwas schwer (der Koffer!). Draußen dann wieder eine positive Überraschung: Obwohl ich klar als Tourist erkennbar war, drückte der Taxifahrer brav sein Taxameter. Es war allerdings auch recht weit bis in die Stadt, stellte ich fest. Aber: Hauptsache angekommen. Jetzt musste ich nur noch zum Lutherischen Gästehaus finden.

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