unterwegs erlebt

15. Juli 2008

Neuere Altstadt-Geschichte

Filed under: Israel 2008 — heplev @ 9:58
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Der Verlust der Altstadt an die Jordanier war ein schwerer Schlag für die Juden. Aber sie mussten ja mit allerhand Rückschlägen klar kommen, als sie ihren Staat 1948 neu gründeten, auch wenn es heute weiter wie ein Wunder wirkt, dass dieser Staat überhaupt entstehen konnte – von der Entscheidung in der UNO bis hin zum Widerstand gegen die Armeen der feindlichen Nachbarn und weiter weg liegenden Länder wie dem Irak.

Versinnbildlicht wird das m.E. auch durch einen Spruch des Oberkommandierenden der Arabischen Legion, als er nach der Kapitulation der Juden in der Altstadt die gefangenen Haganah-Kämpfer sah (inhaltlich zitiert): “So wenige sind das, die uns so viele Verluste zugefügt haben? Wenn ich das gewusst hätte, hätte ich meine Soldaten mit Schlagstöcken in die Altstadt geschickt!”

Dieser Ausspruch zeugt einerseits von der Arrgoanz des Mannes (wie viele Leute hätte er dann wohl verloren?), andererseits von der komplett überschätzten Stärke der jüdischen Verbände – an allen Fronten. Er ist einer der Punkte in einem Zwergmuseum, das den Fall der Altstadt 1948 dokumentiert.

Natürlich ist die Rückgewinnung der Altstadt 1967 weit prominenter im Gedächtnis und in der offiziellen und inoffiziellen Erinnerung verhaftet. Die Szene der drei Soldaten vor der Westmauer, die des Rabbiners, der das Schofar bläst oder auch der Einmarsch der israelischen Oberkommandierenden sind natürlich positivere Aspekte der Erinnerung und lassen sich besser “verkaufen” – sprich: dokumentieren, archivieren und der Öffentlichkeit präsentieren. Alles nicht ohne Hinweise auf die dafür gebrachten Opfer. Das ist gut und richtig, daran zu erinnern und das auch zu feiern. So in Dokumentationszentren wie auch dem Museum auf dem French Hill, wo der Durchbruch ins östliche Jerusalem hart erkauft wurde.

Aber das ist nicht die ganze jüdisch-israelische Tradition. Zu ihr gehören auch die Erinnerungen an die Opfer und Verluste, die nichts mit Siegen zu tun haben, sondern mit Niederlagen. Und so ist ein kleines Museum in der Altstadt, nur ein Raum, diesem Gedenken gewidmet. Außerdem gibt es am Zionsberg die persönliche Erinnerung der Holocaust-Überlebenden an ihre Gemeinden. Und so wird denn auch heutzutage die Hurva-Synagoge wieder aufgebaut, die damals größte Synagoge der Altstadt, die die Jordanier und die arabischen Einwohner der Altstadt 1948 niederbrannten. Hurva bedeutet übrigens “Ruine” – die Synagoge lag in Ruinen (vor einigen hundert Jahren schon einaml), war quasi 40 Jahre lang verschwunden. Eigentlich ist es erstaunlich, dass sie erst jetzt wieder errichtet wird. Aber so ist das halt mit den Prioritäten.

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