unterwegs erlebt

15. Juli 2008

La Cucaracha und andere Überraschungen und Erkenntnisse

Filed under: Israel 2008 — heplev @ 10:03
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Da hatte ich mich spontan doch noch umentschieden und fuhr mit dem Zug nach Tel Aviv. Das ist bequemer und schöner als mit dem Bus, zumal das Wochenende beginnt und haufenweise Leute schon den Einstieg zur Tortur hätten werden lassen. Im Zug war’s dann richtig bequem. Es saßen zwar viele Wehrpflichtige drin, aber jeder hatte bequem Platz. Dafür war’s ungefähr 70% teurer – aber den Unterschied zwischen weniger als 3 Euro und knappen 5 Euro gibt man da doch gerne aus!

Ist es erwähnenswert, dass das Gepäck beim Betreten des Bahnhofs durchleuchtet wird? Okay, es ist, denn in Tel Aviv wurde es bei der Weiterfahrt Sonntag durchsucht, da gab’s keinen Scanner… Interessant auch, dass die Fahrgäste erstmal warten mussten, bis der Bahnsteig betreten werden durfte – zuerst mussten die anderen alle raus und dann die Putzkolonne/Mülleinsammel-Truppe durch die Waggons düsen.

Unterwegs lernte ich dann noch etwas Interessantes: In diesen „Express“-Zügen gibt es Steckdosen! Mir gegenüber ließ sich ein junger Mann nieder, seinen Laptop auspackte, das Stromkabel nahm und zu meinem Erstaunen hinter mir einsteckte. Praktisch!

In Tel Aviv lerne ich am Bahnhof etwas – das heißt, ich erinnerte mich erst nach dem Ereignis, was das sollte. Als ich vom Bahnsteig auf die Brücke zum Terminal kam, sprach mich ein junger Hutträger mit hellrotem Bart und entsprechender schwarzer Kleidung an und machte mit der linken Hand eine Kreisbewegung um den rechten Unterarm. Ich verstand nicht, was er wollte. Er versuchte es wieder. Ich erklärte ihm, dass ich kein Hebräisch spreche. Da wechselte er ins Englische und fragte, ob ich jüdisch bin. Ich verneinte. Höflich wünschte er mir eine schöne Zeit in Israel. Im Weggehen fiel mir ein, was er wollte: Er hatte mich gefragt, ob ich Gebetsriemen anlegen und beten wollte! Diese Orthodoxen, die sind immer wieder irgendwo und versuchen eine Mitzwe zu tun, die in ihre Art des Denkens passt. Aber es gibt sicherlich nicht genug Juden, die beten…

Dann eine kleine Überraschung: Momo’s Hostel liegt genau um die Ecke von dem Hotel, in dem wir 2004 untergebracht waren! Super, ich kenne mich also ein wenig aus! Und der Strand ist auch nur 5 Minuten zu Fuß weg!

Angekommen bin ich zwar auch durch die Kenntnis des Straßennamens und der Hausnummer (Ben Yehuda-Str. 28), aber auch der Busfahrer, der eigentlich recht kurz angebunden und nicht allzu höflich war, hatte daran gedacht, dass ich ihn darum bat mir zu sagen, wenn wir am El Al-Gebäude ankamen. So brüsk und abweisend er sonst erschien und so rabiat er mit Verkehrsteilnehmern umging, die ihn behinderten oder sich sonst nicht in seinem Sinn an die Verkehrsregeln hielten, so gut hatte er sich – anders als andere, die ich erlebte – an mich erinnert.

Dafür war mein Zimmer eine ziemliche Bruchbude: Die Farbe blätterte von den Wänden, es gab nur einen Ventilator statt Klimaanlage, elektrische Leitungen sahen eher provisorisch verlegt aus, das Bett war so bezogen, dass alles bei Berührung sofort von der Matratze rutschte, die Türen mussten abgeschlossen werden, um zu zu sein, auch die zum Bad – und da schlage ich erst einmal eine riesige Kakerlake tot. Später noch eine. Bis zum Abend (und den Rest des Wochenendes) tauchen keine weiteren mehr auf…

Beim Rundgang in der Umgebung kaufte ich kräftig ein, vor allem Getränke, aber auch etwas zu Essen. Lecker Hühnerfleisch und Pitataschen, dazu etwas Hüttenkäse, eine herrliche Mahlzeit. Und den ersten “Müller froop” meines Lebens aß ich auch hier! Am nächsten Tag war Sabbat, da müsste ich wohl die Restaurants beanspruchen.

In einem Internetcafe erlebte ich dann, wie kurz eine halbe Stunde ist. Gerade mal ein wenig Aufräumen in einem meiner Postfächer war drin. Zurück bei Momo’s ging ich erstmal eine Runde ausruhen, dann um halb neun an den dortigen Computer. Das war zwar etwas billiger pro Zeiteinheit, kam aber eigentlich teurer, weil es nur eine langsame Verbindung war. Eine Stunde reichte gerade, um die Post zu beenden und kurz im Blog nachzusehen, wer da meint trotz meiner Abwesenheit alles meinte kommentieren zu müssen.

Was habe ich heute gesehen und erlebt? Hier in der Umgebung ist alles etwas hui und pfui. An der Strandpromenade kann man die tolle und (teilweise) teure Seite der Stadt sehen, aber wenn man die nächste Straße reingeht, kommen auch Unrat, Bruchbuden und Penner (nicht nur einfach Obdachlose) zum Vorschein. Manche Straße scheint nach dem Motto belebt zu sein: Je weiter weg vom Strand desto proll und heruntergekommen auch die Leute, die da sitzen – und das soll nicht proll im Sinne von Arbeitern sein, sondern von tiefster und schaurigster Unterschicht auch was den Charakter der Leute angeht.

Straßenverkehr: Es ist einfach irre. Die „Hup-Kultur“ von Be’er Sheva hatte einen ganz besonderen Charakter: Da wird gehupt, um andere vom Losfahren abzuhalten, ihnen zu sagen, sie sollen dir nicht in den Weg kommen, sie sollen erfahren, dass sie etwas falsch machen und auch zu allen Gelegenheiten, wo ein Taxifahrer anzeigen will, dass er einen Fahrgast brauchen kann. In Tel Aviv wird auch ungefähr so viel gehupt, allerdings sind das wohl alles Beschwerden, dass jemand etwas macht, das einem anderen nicht gefällt. Insgesamt ist es aber auch egal – Verkehrsregeln werden, wie Beer7 mir erklärt hatte, als Empfehlungen betrachtet, die nicht unbedingt zum Einhalten da sind. Wenn man selbst fährt, die anderen sollten das schon tun…

So, jetzt ist Schluss. 10 vor 11, im TV läuft die Ultimative Chart-Show der Werbehits (in Deutschland ist es erst 10 vor 10), SkyNews hat stundenlang zum 18. Jugenlichen-Messermord in London berichtet, und sonst ist auch nichts Brauchbares, außerdem fallen mir die Augen zu, obwohl ich wohl nicht schlafen kann.

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