unterwegs erlebt

15. Juli 2008

Kultur-Tourismus-Geschichte

Filed under: Israel 2008 — heplev @ 9:55
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Heute war Museum angesagt. Israel-Museum. Da hin zu kommen ist ganz einfach: Erst diesen Bus, dann den da und dann kommst du an. Hm, hatte ich aber nicht wirklich Lust zu. Nun, es geht einfacher – gut, dass es Internet gibt. Weil ich ja sowieso wissen musste, welche Busse ich nehmen konnte, habe ich beim Museum nachgesehen; und siehe da: Es gibt doch den berühmen Touristen-Bus Nr. 99, der auch City Tour-Bus genannt wird. Der dreht seine Runde durch ganz Jerusalem und fährt nicht nur am Jaffa-Tor, sondern natürlich auch am Israel-Museum vorbei. Und dann auf der Seite der City-Tours noch eine hübsche Information: Man kann ein Kombiticket buchen, das den Eintritt ins Museum beinhaltet. Na, wenn das mal nicht eine gute Nachricht ist.

Wie oft bei kulturellen Touristikdingen kommt es oft anders als man manchmal denkt. Internetseiten sind auch nicht immer aktuell und es stellte sich dann am Bus heraus, dass das Angebot nur im Winter gilt. Das stand auf der Website natürlich nicht dabei. Allerdings – hinterher gesehen – stand da auch, man könne das Ticket nur am Museum erwerben. Auch nett, wenn man erst mal da hin muss…

Na gut, die Rundfahrt mit Erklärungen und dass man jederzeit aus- und wieder einsteigen kann (65 Schekel, wenn man nur einmal durchfahren und nicht unterbrechen will, dann 45 Schekel), bringt ja auch was. Dafür bekommt man auch einen Kopfhörer geschenkt (die auch im Flugzeug funktionieren), ein Papierband für’s Handgelenk, mit dem man sich als Dauer-Tagesfahrer ausweist und einen Fahrplan. So konnte die Fahrt los gehen – und der Kerl fuhr, dass es einen wahre “Freude” ist. Nicht schnell, aber wer gerade nicht auf seinem Platz sitzt, sondern noch hin will (oder vom Oberdeck runter zur Tür zum Aussteigen), der muss sich schon sehr gut festhalten…

Die Fahrt führt an insgesamt 28 Sehenswürdigkeiten vorbei oder was dafür gehalten werden soll – ein paar sind einfach Stopps an Nobelhotels, wo Touris der höheren Preisklasse zusteigen können, ohne sich vorher sonderlich weit bemühen zu müssen. Komisch, da stiegen – zumindest auf unserer Fahrt – aber überhaupt keine zu. Gut, haben wir einen Blick auf die Fassaden werfen können.

Immerhin fahren wir aber auch an einigen Stellen vorbei, die ich sonst nicht gesehen hätte und die sich vielleicht mal lohnen richtig zu besuchen. Ein paar Namen fallen auf, weil sie öfter schonmal oder gerade erst vor kurzem in den Nachrichten waren: an Har Homa kommen wir vorbei (mit etwas Abstand, in der Erklärung heißt es: “dort drüben”), der “Siedlung” auf der ehemaligen Müllhalde, um die sich niemand je gekümmert hätte, hätte die Stadt dort nicht Wohnhäuser gebaut und sie damit für arabische und europäische Proteste und Schimpfkanonaden frei gegeben (das wird nicht gesagt); oder das “Ostjerusalemer” Viertel Sur Baher, in dem der mordende Baggerfahrer von letzter Woche wohnte. Dann kommt wieder was, das mir geschichtlich interessant erscheint, aber nicht bekannt war: Die Hadassa-Klinik auf dem Skopusberg war von 1948-1967 eine israelische Enklave im jordanisch beherrschten Teil Jersualems, zu der nur alle zwei Wochen Polizisten fahren durften. Was das genau heißt, möchte ich dann doch mal näher herausfinden – “Arbeit” für die Zukunft.

Bevor diese “prominenten” Dinge kamen, war aber erst einmal das Museum angesagt. Erste Auskunft an alle, die eine Eintrittskarte erwerben wollten: “Unser Hauptgebäude ist wegen Renovierungsarbeiten geschlossen.” Mit anderen Worten: Man kann nur einen Teil des Museums besuchen. Die Mitarbeiterinnen an der Kasse erwarten schon beinahe, dass man trotzdem rein will, sind aber doch ein bisschen neugierig, ob der Kunde das denn wirklich macht. Die Vorwarnung ist jedenfalls mehr, als man im Bazar bekommt. Einen Rabatt für den Eintritt kriegt man allerdings nicht…

Da ich hauptsächlich den “Schrein des Buches” und das Jerusalem-Modell (der Zeit des Zweiten Tempels) sehen möchte, geht mir das Hauptgebäude an der Nase vorbei. Im Schrein des Buches ist zum ersten Mal seit Jahrzehnten ein Originalteil der Jesaja-Rolle aus Qumran zu sehen; das ist die Rolle unter den gefundenen, die als einzige ein komplettes Buch der hebräischen Bibel zum Inhalt hat; und sie ist mit über 7,5m die zweitlängste gefundene Rolle. Die wird natürlich nicht komplett ausgestellt, dazu ist die Kopie da, die permanent ausgestellt ist.

Beides, JerusalemModell und Schrein des Buches, kann man eigentlch nur auf sich wirken lassen. Im Internet hat das Museum virtuelle Rundgänge und Animationen eingestellt, aber die geben das nicht wirklich her. Das Modell hatte früher am Holyland Hotel seinen Platz; dort war es auch 2004 noch und ich finde, da hatte man einen besseren Überblick als von der hier den Überblick gebenden Terrasse – die sollte einfach etwas höher drüber und etwas näher dran sein.

Zur Ausstellung der Teile der Original-Jesaja-Rolle gab es gerade eine Konferenz: “Schwerter zu Pflugscharen. Die Jesaja-Rolle und ihre Friedensbotschaft”. Na, wenn das nicht Erinnerungen an früher weckt, als die Friedensbewegung Anfang der achtziger Jahre im Bereich der evangelischen Kirche auch mit “Schwerter zu Pflugscharen” Stimmung machte. Die Kirche hatte damals allerdings einen Bibelvers aus dem Propheten Micha “zitiert” – und völlig übersehen, dass diese Schwerter erst unter der Herrschaft des Messias zu Pflugscharen gemacht werden, nicht durch menschlichen Frieden. So ähnlich könnte das auch hier sein, wie die Tafel über die Information zur Konferenz ausweist. Falls die Veranstalter und Redner nicht doch messianische Anwandlungen hatten: “Hoffen wir, dass das noch zu unseren Lebzeiten eintritt”, steht da als Abschlusssatz eines der Hauptredner. Ob der wirklich gemeint hat, dass der Messias bitte noch zu seinen Lebzeiten kommt (jüdisch)/wiederkommt (christlich)? Ich wage es zu bezweifeln.

Der Museumsshop fällt wieder hauptsächlich in die Kategorie “Tinnef” – vielleicht bin ich da etwas zu arrogant, aber außer einer Batterie Bücher gab es nichts, das ich wirklich gut gefunden hätte, Drucke , schön groß, die man sich an die Wand hängen kann und als Juweliergeschäft würden sie auch durchgehen. Darüber hinaus? Oh je! Ich raffte mich auf eine “Schriftrolle” mit “Tonkrug” und Begleitheft über die Entdeckung der Qumran-Rollen zu kaufen. Die kann ich als praktischen Staubfänger ins Wohnzimmer stellen. Na ja, sieht auch nicht schlecht aus und macht sich in der Sammlung meiner Israel-Memorabilia ganz gut. Aber bitte: Ich habe sie nicht aus Verzweiflung gekauft, sondern weil ich gerne haben wollte. Obwohl sie eigentlich überflüssig ist.

Draußen war wieder warten auf den Bus angesagt. Langweilig… Wenigstens konnte man den Straßenbauern bei der Arbeit zusehen und sich (im wahrsten Sinne des Wortes) rechtzeitig aus dem Staub machen, wenn der kleine Radlader mit dem nächsten Schub Füllmaterial kam. Und schräg gegenüber steht die Knesset – brauchte ich also im Bus nicht zu hetzen, sondern hatte dieses Foto direkt vor Ort gemacht.

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