unterwegs erlebt

15. Juli 2008

Die Wüste lebt Geschichte (2)

Filed under: Israel 2008 — heplev @ 10:05
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Unser eigentliches Ziel war ein weniger altes: David Ben Gurions “Hütte”, wie Beer7 etwas vermeintlich abschätzig mal geschrieben hatte, im Kibbutz Sde Boker. Für mich klingt das immer ein bisschen so, wie wenn einer “Onkel Toms Hütte” sagt. Allerdings stellte sich später heraus, dass “Hütte” soooo falsch gar nicht mal ist. Gut, es ist ein Haus, allerdings kein großes.

Der Kibbutz macht natürlich “Kasse” mit dem berühmten ehemaligen Einwohner. Allerdings sollen die Bewohner auch trotz des Brimboriums ihre Privatsphäre behalten. Und so ist von einem Parkplatz aus ein Rundgang angelegt worden, der die Besucher entsprechend leitet. Der Weg ist ausgestattet mit einer ganzen Reihe von Zitaten Ben Gurions, die mir einen Aspekt zeigten, den ich nicht gekannt hatte: Er scheint regelrecht besessen davon gewesen zu sein, dass Israel den Negev in Händen halten muss. Hier hat er die Zukunft des Landes verortet.

Das erste Haus, in dem man dann nicht fotografieren darf, ist allerdings nicht Ben Gurions Wohnstatt, sondern eine Ausstellung in einem gleichartigen Haus, die sein Leben beschreibt; vor allem sein Leben als Premierminister und Negev-Advokat. Bilder und Texte dominieren. Am Ende gibt es einen interaktiven Bildschirm – das war natürlich eine Stelle, die Tochter 1 wie Tochter 2 besonders entgegen kam.

Vom Ausgang aus diesem Bau kommt man nach ein paar Schritten an sein Wohnhaus (hier ist das Fotografieren ohne Blitz erlaubt). Alles befindet sich natürlich noch im Orignalzustand (Beweisfoto in s/w befand sich vor dem Schreibtisch). Nachdem Tochter 1 schon in der Ausstellung interessiert war, blühte sie hier richtig auf. Neugierig schaute sie sich alle Einzelheiten an und sprach mit ihre Mutter und einer anwesenden Dame vom Kibbutz ausführlich über alles Mögliche, was Israels großen Mann betraf.

Hinter dem Haus gibt es einen Sandkasten, in dem Kinder ein wenig Reise durch Israel spielen können. Macht Laune, wenn sie vorher die Erwachsenen-Sachen über sich ergehen lassen mussten. Interessant ist, dass hier der Bunker des Kibbutz war. Ben Gurion wollte keine Privilegien und schon gar keinen eigenen Bunker; da haben die Kibbutzniks ihren Gemeinschaftsbunker halt neben seinem Haus gebaut.

Der Weg führte zurück an den Eingang des Ausstellungshauses – und den gegenüber liegenden Souvenirladen. Klar, da musste gesucht werden – aber nicht nur ich, auch Beer7 brachte Mitbringsel für die Reise nach Europa. Wir haben alle zufriedenstellende Einkäufe getätigt.

Eine kurze Fahrt auf die andere Seite der Fernstraße und wir hatten unseren Picknik-Platz erreicht. Die Familie picknickt hier traditionell an Purim; diesmal war es bescheidener, wir haben z.B. nicht gegrillt (das hätte ich dann übernehmen müssen, in Israel ist Grillen ausschließlich Männersache und Abba7 war nicht dabei). Egal, es hat riesig geschmeckt, auch wenn ich bei der Hitze nicht viel essen kann (hilft das hohe Gewicht zu bekämpfen – irgendeinen Vorteil müssen die Temperaturen ja haben).

Nach ausgiebigem Mahl und etwas Entspannung ging es dann weiter, zum Grab des Ehepaares Ben Gurion. Das ist heute natürlich so etwas wie eine Art Wallfahrtsort. Den Weg vom Parkplatz zu den Gräbern ist durchgestylt. Am Rande graste eine Herde Ibexe. Wenn man die Gräber erreicht, kann man noch ein paar Schritte weiter gehen und hat einen grandiosen Blick ins Tal; es sieht fast ein wenig aus wie ein Mini-Grand Canyon! Nur fehlt unten das Wasser, zur Zeit ist das Flussbett trocken. Da hat der alte Mann sich (und vorher schon seiner Frau) einen schönen Ort für die “ewige Ruhe” ausgesucht.

Die Hitze und die Uhrzeit laden eigentlich zum Dösen ein. Tochter1 hatte auch entsprechende Anwandlungen, während Tochter2 quietschfidel durch die Gegend turnte. Aber wir wollten ja noch nach weiter. Außerdem kam gerade ein Riesentrupp Amis an und betrieb “shade hopping” mit Geschichtsunterricht. Da war nichts mehr mit ungestört im Schatten herumlungern. Also machten wir uns auf dem “unteren” Weg entlang des Berghangs zurück zum Auto. Das stand die ganze Zeit mehr oder weniger im Schatten – und hat eine Klimaanlage!

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