unterwegs erlebt

15. Juli 2008

Angekommen

Filed under: Israel 2008 — heplev @ 10:06

Wie erwartet war die Nacht mehr als kurz – die erste Nacht weg von Zuhause ist immer grausig. Neue Geräusche lassen mich nicht schlafen, außerdem ist alles ungewohnt. Erst, wenn ich gewohnt bin Ungewohntes zu haben, kann ich wieder ordentlich schlafen. Wenn ich das allerdings meinen Gastgebern erzählen würde, kämen die auf den Gedanken, es liege an ihnen. Also lasse ich es.

Die Familie war auf, aber nicht vollständig anwesend. Sie wollten, dass ich ein schönes Frühstück habe, also war Sharon einkaufen. Nissan machte mir einen Kaffee. Amerikanisch oder israelisch?, wollte ich wissen. Amerikanisch wäre die Plörre, die ich auch selbst fabriziere; israelisch bedeutet reichlich stark, man muss oft befürchten, dass der Löffel drin stecken bleibt. Nissan liebt israelischen Kaffee. Dafür bekomme ich viel Milch und Zucker rein und so war er für mich auch nicht nur genießbar, sondern lecker.

Das anschließende Frühstück war ebenfalls israelisch: Weichkäse, Hüttenkäse, Oliven, Brot, Ei, usw. Man sollte kaum glauben, dass die aus den USA stammen.

Nach dem Frühstück fahndeten wir im Internet nach Möglichkeiten, wie ich nach Latrun kommen kann. Eine halbe Stunde Suche ergeben – nichts. Dafür kann man von Latrun aus prima mit dem Bus nach Be’er Sheva fahren. Also entschied Sharon, dass sie mich nach Latrun bringt. Ich ging davon aus, dass ich meinen Koffer bestimmt irgendwo unterstellen könnte, während ich das Museum des Panzerkorps besichtige. Vorher müssten wir nur noch sehen, dass mein Handy eine Spritze bekommt, damit ich wieder telefonieren kann.

Nach einem herzlichen Abschied von Nissan, der weiter seine Nachrichtenschicht fahren musste, machten wir uns auf den Weg. Sharon kennt da einen Cellcom-Laden. Die Fahrt dauerte ca. 15 Minuten und endete mit einer Enttäuschung: Der Laden macht erst um 11.30 Uhr auf (jetzt war es ca. Viertel vor 10). Noch eine Idee: In Modi’in hat ein neues Einkaufszentrum aufgemach. Da könnte es etwas geben. Schließlich soll das Aufladen des Guthabens eigentlich überall gehen, wo mit Handys gehandelt wird. Wir fuhren eine ganze Strecke zurück und dann ging’s in die Tiefgarage. Dazu musste der Kofferraum geöffnet werden und der Wachmann schaute sich auch meinen Koffer genauer an.

Die neue Mall sieht auch so aus: neu. Noch längst nicht alles fertig, aber schon mächtig Betrieb. Und einen der Verkaufsinseln ist tatsächlich mit Handys und Zubehör bestückt. Normalerweise könnte man hier auch aufladen, nur ist der Computer abgestürzt. Ging also nicht, in ein paar Stunden wieder. Die haben wir aber nicht. Also mache ich das erst in Be’er Sheva. Ist eigentlich auch nicht schlimm.

Auf dem Weg nach Latrun erzählte mir Sharon weiteres über Modi’in. Sie wohnen schon eine ganze Weile hier. Aber weil es eine Stadt ist, die vor dem ersten Spatenstich bereits geplant war und auch heute noch permanent weiter gebaut wird, ist die Luft nicht unbedingt die beste. Dazu kommt oft der Westwind, der die dreckige Luft von Tel Aviv hier herüber drückt. Das macht ihr eigentlich etwas Sorgen, weil man nicht weiß, welche langfristigen Auswirkungen das auf die Gesundheit hat.

Am Museum in Latrun fuhr sie mich nicht nur direkt vor die Tür (und parkte im Parkverbot), sondern kam auch noch mit rein und erledigte das Reden für mich. Die Soldatinnen links im Büdchen verwiesen uns an den Souvenirladen (der auch den Eintritt kassiert) und dort war’s dann kein Problem. Ein kurzer Abschied, dann war Sharon weg und ich konnte losziehen.

Um an die ehemalige “Festung” zu kommen, muss man erst einmal weiter den Berg rauf. Da selbst jetzt (noch keine halb 11) die Sonne schon reichlich brannte, gar nicht so angenehm. Aber sooo weit war’s ja nun auch nicht. Am Ende des Aufgangs begrüßten mich dann schon einige im Halbkreis aufgestellte Exponate. Die wollte ich jetzt nicht abklappern, so doll kenne ich mich mit den Dingern ja nun auch nicht aus. Außerdem reizte das Gebäude – daneben gab’s Schatten, oben auf dem Dach eine Aussichtsplattform. Auf die wollte ich dann mal zuerst.

Keiner sonst da, außer einem Wehrpflichtigen in voller Montur. Nachdem ich einen Moment in die Gegend geschaut und ein Foto gemacht hatte, sprach er mich an. Auf mein etwas fragendes Gesicht hin wechselte er ins Englisch. Ob ich alleine da sei, woher ich komme, ob ich gerne ein paar Erklärungen hätte. Na, das lässt man sich doch nicht entgehen.

Er war einer von neun Soldaten, die ständig über das Gelände patrouillieren. Dann war die Umgebung dran: in welcher Richtung welche bekannteren Orte und Regionen liegen, dass die Radarstation nicht militärischen Zwecken dient, sondern der Erforschung der Zugvögel und ihrer Flugwege und dass da unten alle vier Modelle der israelischen Kampfpanzer Merkava stehen, die nach einer ganz anderen Philosophie als die übrigen Kampfpanzer der Welt gebaut werden. Er sagt zuerst, dass es die besten Kampfpanzer der Welt sind, wir können uns aber darüber einigen, dass es zumindest die sichersten sind – die Amis finden ihren Abrams-Panzer viel besser und die Briten… Kein Zweifel dürfte allerdings bestehen, dass keiner seine Soldaten besser schützt als der Merkava.

Was mich allerdings noch interessiert und was mal der Nachforschung wert ist: Wieso steht hier ein Leopard? Und wieso hat der als einziger eine ausschließlich hebräische Beschreibung?

Nach etwas eineinhalb Stunden – einschließlich einer kleinen Rast an einem überdachten #Wasserspender, wo ich die von Sharon gespendeten Früchte aß – war ich durch. Im Laden noch eine Mütze gekauft und den Koffer abgeholt, dann trollerte ich zur Bushaltestelle. Wann der nächste Bus kam, schaute ich mir leider auf dem ausgedruckten Plan erst jetzt an: in fast eindreiviertel Stunden! Was macht man so lange? Ja, was wohl, nach einer fast durchgewachten Nacht? Man macht es sich so bequem wie möglich und versucht eine Runde zu pennen! Hat auch fast funktioniert. An richtigen Schlaf war zwar kaum zu denken angesichts des kräftigen Verkehrs (besonders die LKWs machten einen Höllenlärm), aber “ruhen” war drin und als der Bus eintraf, war ich wieder auf und wohlgelaunt.

Ein schöner Zug an den israelischen Überlandbussen: Wenn da einer mit Gepäck steht, dann machen die Fahrer schon beim Anhalten die Kofferraumklappen auf. Man braucht das Zeug nicht mit reinzuschleppen. Und so ging die Fahrt weiter, halb schlafend, denn den verpassten Schlaf hatte ich noch nicht ausgleichen können.

Anders natürlich bei den Linienbussen in der Stadt. Aber die Fahrt bis Beit Yatziv ist kurz. Angemeldet, Zimmer in Beschlag genommen, wieder raus und zurück zum Busbahnhof ist relativ zügig erledigt. Und dann gelang auch das mit dem Aufladen des Handys endlich. Jetzt konnte ich Beer7 anrufen und für morgen alles klar machen; ein bisschen Obst und Wasser kaufen und der Tag war fast schon rum. Noch ein bisschen durch die Gegend geschlendert, am Busbahnhof wieder angestellt. Die Einkaufstüte ließ eine junge Frau wohl meinen, ich sei ein Einheimischer. Leider sprach sie kein Englisch, mit der hätte ich mich gerne noch ein wenig mehr unterhalten.

Jetzt war ich wirklich angekommen. Nur leider auch total müde. Also war der Tag früh zu Ende und das Bett rief recht heftig. Ich habe es weidlich genutzt.

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